Auf der Suche nach dem goldenen Preamp

Aktualisiert: 18. Jan.

Wozu denn eigentlich einen Preamp?

Telefunken 6 X V672


1. Qualität

Ein Sänger singt - Die Luft wird bewegt, die Schallwelle trifft auf die Membran eines Mikrofons und diese fängt an zu schwingen. Durch das hin und herschwingen entsteht schließlich (durch Magnetspule, Kondensator usw.) eine sehr geringe elektrische Spannung, welche alleine für sich genommen viel zu schwach wäre um sie weiter verarbeiten zu können. Allein das Rauschen der weiteren Geräte wäre lauter als das winzige Signal des Mikrofons.


Das Signal muss verstärkt werden = braucht einen Vorverstärker, einen Preamp. Nur so ist es möglich einen brauchbaren Signal-Rauschabstand hinbekommen. Das ist der erste Grund für einen Preamp. Es geht um die Qualität eines Signals, das weiterverarbeitet werden soll.


Und da scheiden sich dann die Geister. Günstige Hersteller verzichten auf ein hochwertiges Schaltungsdesign. Mehr als 40-50 dB Gain kommen aus solch einem Billigkasten oftmals nicht heraus. Gute Vorstufen hingegen kommen auch mal auf 60 dB - was gleich doppelt so viel Energie bedeutet.


2. Der Sound

Jetzt zu der faszinierenden Geschichte: Jeder Preamp hat einen anderen Klangcharakter. Das liegt zum einen an der Transientenauffassung, also wie schnell der Vorverstärker agiert, zum Anderen an den Obertönen die dem Originalsignal hinzugefügt werden.


Und auch jedes Mikrofon klingt anders. Für den Tonmeister im Tonstudio ist das Auswählen von Preamp und Mikrofon wie für einen Maler das Auswählen von Farben, Pinseln und Leinwand. Man kann kreativ, farbenreich und künstlerisch mit dem Sound arbeiten. Man schmiedet und formt den Klang.

Dabei spielt es eine große Rolle, was der Sänger für eine Stimme hat, um welchen Musikstil es sich handelt, wie das ganze Album überhaupt klingen soll usw. Aggressiv, Soft, Vintage, Fett, Modern...


Vintage City


Als Klangschmiede haben wir eine sehr gute Auswahl an verschiedensten, hochwertigen Preamps - und es kommen natürlich in so einem Studiobetrieb immer mal wieder ein paar neue hinzu. Jedoch alle Instrumente einer Band oder alle Stimmen eines Vokalensembles grundsätzlich durch verschiedene Klangcharakter zu fahren ist auch keine gute Lösung. Schließlich will eine Band einen einheitlichen, charaktervollen Sound als Ganzes erzeugen, oder ein Streichquartett als Einheit gehört werden.


Also haben wir uns auf die Suche nach einer starken Serie gemacht von mindestens 14 Vorverstärkern. Durch ein paar begeisterte Empfehlungen und Vitamin-B sind wir zu Matthias Flache von "Vintage City" gefahren, dem Experten für alte Rundfunktechnik.


Bei Vintage City findet man unglaubliche Raritäten und Schätze. Vor allem aber baut M. Flache die alte Preamps in heutige Standartbauweisen um. Auch wird auf jeden Kundenwunsch eingegangen. Bei und war es das extravagante Design in Rostoptik - passend zum Regieraum - und das Visuelle Feedback der VU Meter, was auch wichtig ist für Kunden, die das Tonstudio mieten wollen. Es macht die Preamps einfach bedienbar.



Der blinde Test


Mit mehreren Telefunken V72 Röhre und V672 Transistor unter dem Arm das Geschäft verlassend wurde im Studio ein spannender Blindtest durchgeführt. Dabei wurden Soundprofile von der Stimme erstellt und verschiedene Preamps von z.B. Neve, API, Focusrite und v.a. untereinander blind verglichen.


Die Begeisterung und Überraschung war riesengroß: Der Telefunken hatte sich schlicht mit seinem angenehmen Bass und dem wunderbaren, durchsetzungsfähigen Mittenbereich gegenüber seinen Mitbewerbern locker und stets behauptet. Dabei zeigte der V72 mit seiner Röhre etwas mehr Biss in den unteren Höhen, der V672 wirkte etwas zurückhaltender damit sogar einen Tick freundlicher im besonders empfindlichen Bereich des menschlichen Ohrs zwischen 2-4 kHz.


Für die Klangschmiede ist das erste Signal, das in den Computer trifft von größter Bedeutung. Denn wenn bereits dieses Signal schrill und blechern oder billig klingt, ist die weitere qualitative Verarbeitung schlecht möglich und wird der wertvollen Aufnahme, die man schließlich überall präsentieren will nicht gerecht.




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